KOPFKONFETTI

message    FERNWEH#1   FERNWEH#2    STRAHLENDES GOLD    SPIEGELBILD    FEUER / ICH BRENNE    DOCTOR OGEN    RESTHITZE    SOMMERWINDTRUNKEN    EIK    NEBELTAGE    FÄDEN    PARIS    PAUSE/PLAY   

Wir haben die blaue Stunde. Ich öffne die Tür und trete auf meinen Balkon hinaus. Die Laternen bilden einen orangeglühenden Gegensatz zur kalten Oktoberluft, die zum ersten Mal in diesem Jahr wirklich nach Winter riecht. Ich atme tief ein und sehne mich nach Kopenhagen. Ich weiß, dort sind die Blätter schon bunt und die Menschen haben längst ihre Wintermäntel ausgepackt. Auf der Norregade drängen sich die Einkäufer, die Soldaten mit den Fellmützen drehen ihre Runden vorm Palast und am Rosenborg Slot scharen sich die Möwen. Nur dort fühlt sich Kälte so gut an. Alles ist sauber, geradlinig und klar. Die Töne und Stimmen klirren noch minutenlang im Kopf nach, jedes Bild brennt sich gestochen scharf in die Netzhaut ein. Der Himmel hat in Kopenhagen ein ganz besonderes Blau. Vielleicht kommt es von der Nähe des Meeres, des Nordens oder des Winters. Es lässt einen jedenfalls viel öfter aufwärts schauen, als man es gewöhnlich tut, und die Linie zwischen Himmel und Erde scheint einem zum ersten Mal aufzufallen. Das kalte Grauweiß der Stadt liefert sich einen erbitterten Kampf gegen die schwarzen Wellen und das leuchtend kalte Firnament. Wenn man aus dem Flugzeug steigt ist es, als hätte jemand den Kontrastregler ein Stück nach rechts geschoben, die Sättigung erhöht, den Blauwert betont und die Helligkeit verdoppelt. Erst jetzt merke ich, dass ich die Luft angehalten habe. Als kleines Kondenswölkchen entlasse ich meine Nordgedanken in die Freiheit, wo sie sich auflösen, noch bevor ich beginnen kann in ihnen nach merkwürdigen Formen zu suchen. Ich gehe wieder hinein, drehe die Heizung auf und fange an, einen Flug zu buchen.




4 Anmerkungen
  1. von kopfkonfetti gepostet